Regionale Presse

Artenvielfalt - so wichtig!

 

 

Schon mehrfach wurde das Thema Insekten, bzw. Insektensterben in den letzten Monaten per Dorfschelle angesprochen. Da das Drama weitergeht und offensichtlich keine Besserung in Sicht ist, möchte ich auch nicht vom Thema lassen.

 

Damit jeder weiß, von was die Rede ist: Es geht um die Artenvielfalt bzw. um das Wegbrechen immer neuer „Teile“ der sogenannten Schöpfung. Wie wir alle wissen, wurde unsere „germanische Waldwildnis“ nur durch die Tätigkeit von Bauern, die immer neue Flächen urbar machten, geschaffen. Eine stetig wachsende Bevölkerung verlangte das Zurückdrängen des Waldes, um alles das anzubauen, was der damalige Markt hergab.

 

Dazu gehörten vor allem neue Getreidearten, Leguminosen, Obst. Ertragreiche, vorher im Land unbekannte Nahrungsmittel kamen durch die Menschen- und Handelsströme zu den Bauern. Nicht nur neue Haustiere wie Hühner, Tauben, Kaninchen, Esel kamen ins Land, die Landschaft war mittlerweile durch Rodung, Entwässerung und den Pflug geöffnet für ein ganzes Heer von Neubesiedlern aus dem Pflanzen-und Tierreich. Arten aus den östlichen Steppengebieten, ebenso wie mediterrane Schmetterlinge, Insekten aller Arten, bis hin zu afrikanischen Wanderheuschrecken. Die Menschen nutzen vieles davon zum Vorteil.

 

Ganz nebenbei entstand so über die Zeit eine immer attraktivere Landschaft voller Leben. Aus Mangel an geeigneter Technik, blieben dabei die Bodenverhältnisse weitgehend unverändert. Durch die Jahrhunderte andauernde Erfahrung der Bauern, wussten diese die unterschiedliche Beschaffenheit der Böden durch geschickte oft kleinflächige Nutzung mit den verschiedensten Erzeugnissen zu bestellen.

 

Mit dem Entstehen von Städten, die aus der Umgebung versorgt werden mussten und einer durch gewinnbringenden Handel und nach und nach auch besserer medizinischen Versorgung, ansteigender Bevölkerung, kam es erstmals auch zu ausgelaugten Böden und in deren Gefolge auch zu Hungersnöten.

 

Als Justus von Liebig Mitte des 19.ten Jahrhunderts den Kunstdünger erfand, war das quasi der Aufbruch in die Zeiten der modernen, später der industriellen Landbewirtschaftung. Es war allerdings auch einer der ersten Sargnägel der Artenvielfalt. Einer immer schneller anwachsenden Bevölkerung konnte die Landwirtschaft ab Beginn des 20.ten Jahrhunderts mit immer neuen, immer leistungsstärkeren Maschinen, die auch in der Lage waren ehemals nicht ökonomisch nutzbare Flächen, wie Moore, Auengebiete und viele andere Sonderstandorte mehr, so zu bearbeiten oder umzuformen, das dort die immer größer und immer spezialisierteren  Maschinen eingesetzt werden konnten. Ökonomie prallte auf Ökologie. Unter anderem in Form von Flurbereinigungen.

 

Lieferte die chemische Industrie zunächst nur die mineralischen Dünger, folgten sehr bald aus deren Labors ein ständig steigende Zahl von zunächst Pflanzenbehandlungsmittel, dann Pflanzenschutzmittel, heute global  Pestizide genannte Stoffe. (Nicht wenige davon wurden zu Zeiten des 1.Weltkriegs zunächst als Kampfstoffe geplant).

 

Unter dem Einfluss der Petrochemie, die aus Erdöl alle möglichen Kunststoffe, und natürlich auch unsere, für die Mobilität benötigten Treibstoffe produziert, wurde die vormals liebliche Landschaft immer uniformer. Will sagen, verschwunden sind Gräben und Hecken, Feuchtwiesen und Moore. Trockenrasen und Orchideen reiche Driften haben teilweise nur deshalb überlebt, weil sie mit Maschinen schlecht erreichbar sind. Und mit den schwindenden Lebensräumen, verschwinden auch die daran angepassten Arten, Tiere und Pflanzen.

 

Gewandelt haben sich aber auch die „Ess“-Gewohnheiten des modernen Menschen. Gab es Anfang des vorigen Jahrhunderts ca. einmal pro Woche eine Fleischmahlzeit, stehen uns heute Tag und Nacht an jedem Imbiss jegliche Fleischnahrung zur Verfügung. Auch auf dem familiären Speiseplan findet sich alle Tag was uns die Werbung als besondere „Lebenskraft“ verspricht. Die Folge davon sind jährlich 30 Millionen Tonnen Gülle. Dreimal dürfen Sie raten, wo die wohl untergebracht werden. Hier allerdings reagieren Landwirte nur auf eine Nachfrage und die stammt von uns Bürgern.

 

Trotzdem, wenn man bedenkt, dass 40% der durchschnittlichen Einkünfte von landwirtschaftlichen Betrieben aus Subventionen bestehen -Steuergeld- und auf der anderen Seite Artenrückgang, Nitrat-und Pflanzenschutzmittel im Grundwasser, kommt man unweigerlich auf den Gedanken, dass da etwas sukzessive aus dem Ruder gelaufen ist, dass bereits nachhaltig zur Verschlechterung der Lebensgrundlage für Mensch, Tier und die Artenvielfalt insgesamt führte.

Umwelt und Natur

 

Frühjahr und Frühsommer , eine sehr interessante und spannende Zeit, auch für Naturschützer, um z.B. Antworten auf folgende Fragen zu finden:

 

- Wie haben unsere Erdenmitbewohner den Winter überstanden?

- Gab es unter den daheim Gebliebenen spürbare Verluste?

- Was kommt aus den wärmeren Gefilden als Sommergast zurück?

- Gibt es Neues zu entdecken?

 

Zur Spannung und Sorge tragen u.a. die spürbaren Wetterveränderungen und deren Folgen bei! Kam es im letzten Winter zudem zu außergewöhnlich vielen Meldungen bzgl. schlecht besuchter Vogel-Winterfütterungen, die die Spannung auf das bevorstehende Frühjahr erhöhten!

 

Hierzu gibt es u.a. folgendes zu berichten:

 

Die Frostperiode hat zumindest im Jossatal offenbar zu Verlusten unter den nicht ziehenden Eisvogelmännchen hinterlassen. Durch die vorherigen, milden Winter gut durchgekommen und hiernach verhältnismäßig oft zu beobachten, kam es in diesem Jahr erst am 29.06. zur ersten und am 20.07. zu einer weiteren Eisvogelbeobachtung.

 

Die vom letzten Jahr bis in den Juli 2017 hinein nicht überwundene Trockenheit wurde durch die Niederschläge in den letzten Wochen nur teilweise überwunden, in dem z.B. etwas Wasser in Gräben fließt, die den Winter durch trocken lagen. Bibertümpel die z.T. bereits Anfangs Juli trocken lagen sind seit Anfang August wieder mit Wasser gefüllt, jedoch kommt das Wasser zur Reproduktion von Amphibien zu spät, da deren Laichzeit vorbei ist. Vieler Orts kam es diesbezüglich zu Totalausfällen.

 

Meisen und andere haben größtenteils Ende Juni eine zweite Brut zum Ausfliegen gebracht, andere bis Anfang Juli gar eine dritte Brut.

 

Ein weiterer Bruchteil unter vielen Beobachtungen waren :

Trauerschnäpper , Schwarz- und Rotmilan, Neuntöter, Schwarzstorch, Plattbauchlibellen, Becherazurjungfer, Frühe Adonisliebelle, Haus- und Gartenrotschwanz, vermehrtes Auftreten Gerippter Brachkäfer, Dompfaff, Zauneidechse, Ringelnatter, Taubenschwänzchen, Kaisermantel und ein Marderhund. Am 08.08.2017 beobachtete und verhörte Leo Klübenspies für unsere Region eine absolute Besonderheit, eine Rohrdommel im Überflug.

 

Wendehals, Kuckuck, Waldkauz und Sumpfrohrsänger wurden gehört, die unter Anderen vor Jahren wesentlich öfters zu hören waren und leider immer mehr zu  Besonderheiten abdriften.

 

Eine abgemagerter, apathischer Biber wurde angetroffen und ein totgefahrener Biber gefunden.

 

Fünf „mittelgroße“ Mühlkoppen wurden in Burgjoß aus der Jossa gefangen und wieder zurückgesetzt.

 

Liebe Leser,

die vorgenannten Beobachtungen sind ein kleiner Beleg dafür, dass bei uns noch einiges in der Natur anzutreffen ist. Langfristige Beobachtungen einiger Personen belegen allerdings, dass sich bereits einiges lautlos und von den Meisten unbemerkt verabschiedet hat. Umso mehr appellieren wir an Jeden dem Naturschutz mehr Beachtung und Anerkennung zu geben und Verhaltensweisen wider der Umwelt- und Natur kritisch zu überdenken und zu korrigieren.

 

Reiner Ziegler, Vorsitzender

 

Sehr bedenklich!

 

-      Deutliche Verringerung der Insektenmasse! Viele die bereits über einige Jahre Autofahren wissen um die deutlich geringere Verschmutzung von Motorhaube und Windschutzscheibe durch Insekten.

 

-      Viele schlecht besuchte Vogelfutterstellen im Winter 2016/2017, hierzu auch Meldungen aus Österreich und Polen.

 

-      Die Trockenheit aus dem Jahr 2016 liegt aktuell noch vor. Z.B. führt die „Wurmich“ seit ca. 11 Monaten kein Wasser, womit es in diesem Frühjahr erstmals zu einem Totalausfall bei der Nachkommenschaft von Feuersalamander + Co. kam. Anderen Orts kam es bei uns zu geschätzten 70% an Laichmasseausfällen. Ein Merneser-Hofbrunnen hat einen historischen Wasserniedrigstand. In Hessen wurden im Januar 2017 nur 48% der jährlichen Durchschnittsniederschlagsmenge erreicht, womit Hessen das niederschlagärmste Bundesland war. Niederschlag im Februar, März und April….! Weltweit nimmt die Verwüstung jährlich um ca. 130000qkm zu!

 

 

Weniger Insekten gleich weniger Schädlinge und Plagegeister? Nein, diese Formel ist zu einfach! Die sogenannten Plagegeister machen lediglich einen Bruchteil der ca. 1 Million an bekannten Insektenarten aus. Der Rückgang der Insektenmasse, die Einwanderung und Ausbreitung nicht heimischer Arten und das Verschwinden heimischer Arten sollten nicht nur Naturschützern zu denken geben, denn dies hat für Jeden negative Folgen. Insekten in und außerhalb des Wassers (tierisches Wasser- und Luftplankton) sind ein sehr wichtiger Nahrungskettenbestandteil. Gewisse Blüten können nicht von Honigbienen bestäubt werden und sind existenziell von Bestäubungsspezialisten abhängig! Viele Pflanzen werden über Hummeln, Faltern, Käfern, solitäre Wespen und Bienen bestäubt. In anderen Regionen dieser Erde sind dies unter anderem auch Vögel und Fledermäuse, deren Bestäubungstätigkeiten auf verschiedene Art und Weise uns ebenfalls zugutekommen.

 

Hauptverantwortlich für das Insektensterben, Gewässer-, Luft- und Bodenverschmutzung, sowie dem  Klimawandel und all den daraus resultierenden Negativfolgen sind wir in den Industrienationen. Folglich können wir durch ein bewussteres und rücksichtvolleres Verhalten dem Insektenschwund entgegenwirken, in dem wir z.B. Beleuchtungen reduzieren oder zumindest insektenfreundliche Beleuchtungen verwenden, Rasenflächen verkleinern oder abwechselnd in Teilbereichen und zeitlich größeren Abständen mähen, weniger oder nicht Vertikutieren, Fräsen, Mulchen, Autofahren u.v.m.. Ebenso sind Verbesserungen durch das Ersetzen exotischer Pflanzen (z.B. Thuja, Kirschlorbeer, Zaubernuss u.v.a.) gegen heimische Pflanzen (z.B. Eibe, gewöhnlicher Liguster, europäische Stechpalme, Felsenbirne u.v.a.)  möglich. Der Verzicht auf Spritzmittel und andere Gifte würden erheblich zur Entspannung gegen den Insektenschwund beitragen.

 

Und, o Wunder, die Rücksichtnahme auf die Natur erspart oft Arbeit und Geld!

 

 

Reiner Ziegler, NABU-Ortsgruppe Mernes 1927 / Jossatal

 

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