Insekten

Insektenvielfalt und -masse!

Im Frühjahr diesen Jahres schrieben wir unter der Überschrift „Bedenklich“ über den drastischen Rückgang der Insektenmasse und baten, weniger zu Mähen und zu Mulchen, Rasenflächen zu verkleinern bzw. einen Teil davon nur ein- oder zweimal im Jahr zu mähen. Ziel des Appells war darauf angewiesenen Insekten eine Eiablage, deren Entwicklung (Raupen- und Verpuppungsstadium) bis hin zum flugfähigen Insekt eine Chance zu geben. Sei es Fliege, Käfer, oder Schmetterling, viele von ihnen tragen zur Bestäubung bei und sind Nahrung für Vögel, Fledermäuse , Fische, Amphibien u.a.. Als schöne Begleiterscheinung zum weniger Mähen können sich Grundstücksbesitzer über Wildkräuter und blühende Wildblumen erfreuen, die man sonst nur selten oder nicht zu sehen bekommt.

 

Lobenswerterweise sind leider nur wenige dem Aufruf gefolgt, die jetzt im Herbst vielleicht dazu neigen, aufräumen(?) zu wollen. Oder Aufräumen zu müssen, weil dies seit Jahren Programm war und die Nachbarschaft vielleicht ein Auge darauf hat? Ein flächendeckendes Mähen zum Ende eines Jahres und das Reinigen aller Laubecken (hierin überwintern nicht nur Igel gerne) ist allerdings kontraproduktiv und würde das im Sommer verfolgte Ziel zu Nichte machen. Jetzt im Herbst und dem nahenden Winter geht es darum, den Tierchen die Überwinterung zu ermöglichen, damit diese im Frühjahr zur Reproduktion und erfolgreichen Vermehrung antreten können.

 

Unsere Bitte für den Herbst, lasst das Mähen, zumindest in Teilbereichen, beginnt im Frühjahr erst ab Mitte Mai damit und verzichtet auf Vertikutieren und Dünger, denn beides schmälert die Pflanzen- und somit auch die Insektenvielfalt.

 

 

Zitat zur Fernsehsendung „Quarks & Co.“ vom 25.07.2017:

 

Kunstdünger verdrängt magerbodenliebende Pflanzen, schmälert die Pflanzenvielfalt und das Nahrungsspektrum für darauf angewiesene Insekten. Herbizide und Pestizide wirken indirekt bzw. auf den dramatischverlaufenden Insektenschwund ein. Dies sind neben anderen, weniger gravierenden Einflüssen die vorrangigen Ursachen, die bis zum Aussterben verschiedener Spezies führen.

 

In Deutschland tragen ungefähr 3700 Insektenarten zum Bestäuben bei, unter diesen befinden sich 184 Tagfalter / Schmetterlingsarten, wovon über die Hälfte von Aussterben bedroht ist! Insekten tragen zu ca. 80% zur Bestäubung bei!

 

Renommierte Wissenschaftler schätzen den jährlichen weltweit wirtschaftlichen Nutzen über Insekten auf 577 Milliarden Dollar ein,

 

Frage: Ist die Einschätzung des Nutzens in einer Währung realistisch und können die meisten unter uns nur durch wirtschaftlichen Nutzen über die Notwendigkeit des Naturschutzes überzeugt werden?

 

Wer die täglichen Umweltnachrichten verfolgt, weiß um die Wichtigkeit des Naturschutzes. Aber auch ohne täglich Umweltnachrichten zu verfolgen, bekommt in der heutigen Zeit ein Jeder etwas davon mit. Seriösen und fundierten Fakten zum Trotz, gibt es Zeitgenossen die ein Trump-ähnliches Verhalten an den Tag legen, in dem sie das Gegenteil behaupten und Zeichen der Zeit ignorieren.

 

Zitat: Mahatma Gandhi (Widerstandskämpfer, Revolutionär, Morallehrer u.a.):

Die Geschichte lehrt den Menschen,

dass die Geschichte die Menschen nichts lehrt!

 

Jetzt auch die Hummeln...

Meine NABU-Vorstandskollegen wissen es, dass ich eine Leseratte bin (das Schicksal bewahre mich vor jeglicher Augenerkrankung). Mein letztes Buch handelte von Hummeln und von Bemühungen eines englischen Wissenschaftlers mehr über Hummeln zu erfahren.

 

Ihm widerfuhr dasselbe Problem, mit welchem auch wir Festländer konfrontiert sind. Es gibt kaum noch welche, bzw. die Suche nach ihnen gestaltet sich spätestens ab Juli in einer blühtenarmen, gemähten und gemulchten Flur sehr zeitaufwendig.

 

In Deutschland gibt es 36 Arten, von diesen stehen 16 in den Roten Listen der bedrohten Tierarten. Die Erfassung der Hummelbestände begann relativ spät, so dass kaum Vergleiche zu früheren Bestandsgrößen gezogen werden können.

 

Im zeitigen Frühling, wenn die Hummelköniginnen aus der Winterruhe erwachen und nach Neststandorten suchen (meist alte Mausnester), ist es am einfachsten heraus zu bekommen, wo sie brüten werden und an den Frühjahrsblüten kann man sie beobachten. Später im Jahr wird es immer schwieriger für Hummeln Futterquellen zu finden. Selbst unscheinbare Blüten werden genutzt, nach denen keine Honigbiene schaut. Auch Gartennutzpflanzen wie z.B. Tomaten-, Gurken-, Kartoffel- und Erdbeerblüten, sowie wilde Erdbeer-, Heidelbeer-, Brombeer- und viele andere Blütenwerden von ihnen angeflogen.

 

Üppige Bauergärten sind heute selten, die meisten Erzeugnisse gibt’s im Supermarkt für weniger bücken. Verheerendere Auswirkungen für Hummeln ist jedoch die Situation, dass sie ab Juni mehr oder weniger nur noch Gräser antreffen. Selbst Feldwegränder, wo ohnehin nur eine geringe Anzahl von Wildkräutern überdauern konnte, werden mit schöner Regelmäßigkeit gemäht, nein schlimmer noch, diese werden gemulcht. Das heißt, die zerfetzten Pflanzen bleiben liegen und verrotten, was die Randflächen Jahr für Jahr aufdüngt. Profiteure sind wenige Pflanzenarten, die es gerne haben, wenn der Boden voller Dünger ist, der größtenteils zu minderwertigem Grasbewuchs führt. Hummelvölker (und Schmetterlinge) haben es da besonders schwer und bilden, wenn überhaupt, nur kleine Völker aus. Auch die Imker bzw. ihre Bienen kennen das Problem. Seit Einführung der Kunstdünger können Nektarsammler ab Ende Juni nur noch wenige Blütenpflanzen finden, so dass Imker, nachdem sie den Bienen ihre Honigvorräte weggenommen haben, künstlich zu füttern müssen.

 

Seit Jahren versuchen wir in Mernes dahingehend übereinzukommen, dass Wegeränder erst spät bzw. grasbewachsene Wegränder nicht gemäht werden. Damit es auch der letzte gehört hat: Artenvielfalt findet heute in Großstädten statt. Auf dem vermeintlich idyllischem Land hält seit Jahren eine schleichende Verarmung der Vielfalt Einzug, die sich auf wenige Ursachen heruntergebrechen lässt. Anhaltende Überdüngung der Landschaft zum Vorteil von Gräsern, Gleichgültigkeit gegenüber der Natur, geringe Beachtung von Regeln im Umgang mit Pflanzen und Tieren und als letztes und überflüssigstes der Anspruch „Es muss ordentlich aussehen“! Besser wäre „Es muss vielfältig und gesund aussehen“!

 

Da wir uns im Lutherjahr befinden, möchte ich mit einem seiner bekanntesten Zitate enden : Und wüsste ich, das morgen die Erde vergeht, so pflanzte ich heute ein Apfelbäumchen.

 

Geschrieben von Leo Klübenspies

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